Glück im Unglück
Ich spürte wie mein Arm taub neben mir lag, der Notarzt ihn auf der Suche nach einer Vene abklopfte, eine fand und einen Zugang legen konnte.
Ich war auf eine Eisplatte geraten, gestürzt und hatte mich überschlagen. Mein Kopf war eingeknickt und ich regungslos liegengeblieben.
Mit dem Rettungshubschrauber eingeflogen, landete ich mit Schleudertrauma, Gehirnerschütterung und Verdacht auf eine Halswirbelfraktur in der Notaufnahme für Unfallchirurgie.
Meine Eltern reisten umgehend aus München an, sobald sie die Nachricht erreicht hatte und als wäre nicht alles schon schlimm und aufregend genug, erlitt ich auch noch einen Krampfanfall. Auf Grund des Schocks und der Umstände nichts ungewöhnliches, doch da die Halswirbelsäule stark angeschwollen und noch unklar war, ob die Wirbel an- oder durchgebrochen waren, hatten die Ärzte vor mich vollständig zu sedieren und somit ruhig zu stellen. So würden bei einem erneuten Krampfanfall keine zusätzlichen Schäden entstehen können.
„Alles okay?“, fragte mich meine Mutter, sie saß neben mir und strich über meinen Handrücken.
„Nein.“
„Hör zu, Jannis. das muss jetzt einfach so sein…“
Ich hatte mir schon gedacht, dass es aussichtslos ist, sich gegen die ärztlichen Maßnahmen zu verweigern.
„Schon klar, ich hab’s kapiert! Ich bin nicht doof, okay?“
Ich war genervt, verängstigt und aufs äußerste gereizt.
„Mama…?“
„Mh?“
„Also, wenn das hier nicht so läuft, wie es sollte… du weißt, was wir schon so oft besprochen haben…“
Sie schaute auf und in ihren Augen las ich Entsetzen.
„Du weißt, was ich dann wollen würde…“
„Jannis! Ich will das jetzt nicht hören!“
„Aber ich…“
„Schluss damit! Meine Nerven liegen eh schon blank.“
Es war eines der unangenehmsten Gefühle, die ich überhaupt erfahren habe. Im Bruchteil von Sekunden spürte ich wie das Medikament abwärts durch meinen Körper strömte und eine Taubheit zurückließ, die sich gleich darauf in Gefühllosigkeit verwandelte und mich komplett lähmte. Es war widerlich sich nicht zu spüren, nicht zu wissen, ob unterhalb des Kopfes noch mehr von sich selbst existierte. Ich konnte nicht mal sehen, ob beide Beine und Arme noch da waren. Natürlich waren sie das, dass wusste ich ja auch und trotzdem, es war kaum zu ertragen nur an die Decke starren zu können.
Glück im Unglück, zwei Tage später gab der Chefarzt nach einer erneuten Untersuchung die Entwarnung. Zwei Halswirbel waren „nur“ angebrochen und ich konnte nach 8 Tagen die Klinik verlassen.

Du hast schon echt ganz schön krasse Dinge in deinem noch so jungen Leben erlebt. =(
schöne geschichte