Der große Wechsel
Herbst 2005
Nur wiederwillig hatte meine Mutter einer 3-tägigen Radtour an den Bodensee zugestimmt, doch nach der Beerdigung hatte ich dringend eine Abwechslung gebraucht. Sie schaffte es trotz allem mich wieder aufzupäppeln und so feierte ich mit guten 67 kg am 29. September meinen Geburtstag und eine Abschiedsparty zugleich. Wir grillten draußen in den letzten Sonnenstrahlen und zogen uns später in den Wintergarten und das Wohnzimmer zurück. Es war ein ausgesprochen schöner Abend und ich war froh um diese Gelegenheit, denn so konnte ich all meine Freunde noch ein Mal sehen.
Im Oktober trat ich meinen Dienst bei den Gebirgsjägern in Füssen an. Es war die Hölle. 4.30 aufstehen und 23.00 Dienstende. Drei Leute fuhren in den ersten Tagen schon wieder nach Hause, weil sie den Druck nicht aushielten. Ein anderer hatte einen Nervenzusammenbruch. Ich selbst verlor 5 kg und war froh, dass ich nach einer Woche die Truppe verlassen und in den Skizug der Sportgruppe wechseln konnte. Ab sofort ging es um 5.00 Uhr los, 10 km joggen vorm Frühstück und dann der übliche Trainingsablauf bis zu den letzten Glimmzügen im Kraftraum spät Abends. Wir machten Sport, aßen und schliefen. Bestiegen Berge, schleppten uns in die Höhen um dort unsere Zelte aufzuschlagen, überquerten Gletscher und erlebten die wildesten und durchaus gefährlichsten Abfahrten. Es wäre nicht die Bundeswehr, wenn wir nicht auch schießen würden und so konnte ich erste Erfolge als Biathlet verbuchen.
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Winter 2005 / 2006
Ende November krönte ich mich selbst mal wieder zum Pechvogel, als ich beim Training mit den Rollski in einer Kurve bergabwärts von einem mir entgegenkommenden Auto frontal erwischt wurde. Es war eindeutig auf meiner Spur gefahren und so wenig, wie es den Fahrer kümmerte, dass er mich angefahren hatte, genauso sorgte es ihn, dass ich in der Wiese lag.
Lautstark fluchend machte ich mich mehr schleppend als gehend auf den Rückweg in die Kaserne. Auf der Stube zog ich mich aus, begutachtete meinen schmerzenden Oberschenkel und beschloss, dass es schon nicht so schlimm sei. Ich duschte, zog mich um und sprang kurz darauf ins Becken des Hallenbads. Beim Eintauchen hatte ich das Gefühl mein Bein würde zerspringen. Nach drei Bahnen gab ich auf und zog mich aus dem Wasser. Niedergeschlagen suchte ich den Stabsarzt auf, ich konnte kaum noch gehen. Er diagnostizierte mir einen Muskelfaserriss, verhängte mir Trainingsverbot und schickte mich fürs erste nach Hause. Meine Eltern holten mich ab und ich verschlief die ersten Tage dank Schmerzmittel komplett. Als meine Sinne langsam wieder erwachten, erwachte auch der Kampfgeist und das schlechte Gewissen. In wenigen Wochen würde die Saison starten, das Trainingslager stand kurz bevor. Ich durfte auf keinen Fall den Anschluss verpassen.
Die Verletzung warf mich weiter zurück als vermutet und ich musste pausieren, während die anderen sich rüsteten. Ich schrieb die großen Wettkämpfe ab und beschränkte mich auf kleine regionale Turniere. Unspektakulär und langweilig. Die Siege waren mir sicher, doch sie erfreuten mich kaum. Ich musste mich wieder ein Mal auf den zweiten Platz beschränken, obwohl ich den ersten verdient hatte. Es kotzte mich an. Ich breitete mich also mühe- und hoffnungsvoll auf das nächste Jahr vor. Es würde alles besser werden, ganz bestimmt.
… da alles so blendend lief, fiel der Autounfall im Januar nicht groß ins Gewicht. Bester Laune stieg ich aus dem an der Leitplanke der Autobahn klebenden Auto (meiner Eltern ^^) und regte mich nicht ein Mal auf. War ja nur ein Totalschaden, also kein Problem.
(Ich hoffe, die Ironie ist nicht zu verkennen.)
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Frühjahr und Sommer 2006
Ich konnte mir nichts besseres vorstellen, als Sport zu treiben, mein eigenes Geld damit zu verdienen und die übrige Zeit mit Freundin und meiner Familie zu verbringen. Es ging mir richtig gut und mit hart antrainierten 73 kg war ich mehr als zufrieden.
Für mich hätte es ewig so weitergehen können, sodass ich ernsthaft eine Offizierslaufbahn in Erwägung zog, denn ein Studium wurde mir ebenfalls angeboten.
Doch meine Art ist es schon immer gewesen, solche Entscheidungen nicht zu überstürzen und so gönnte ich mir im Sommer einen Urlaub mit meiner Freundin. Sonne und Strand, zwei Wochen Karibik auf der British Virgin Island. Alles erste Sahne. Ich war wieder happy und der letzte Winter längst vergessen.

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