Erfolge & Niederlagen

Winter 2005

Es war der letzte und bedeutungsvollste Staffellauf für unsere Mannschaft. Ich fuhr als Dritter einen beachtlichen Zeitabstand heraus und übergab dem letzten Teamkamerad den Stab. Ich ließ mich zurückfallen und stieg aus der Spur. Der Stadionsprecher hatte bereits unseren sicheren Sieg durchgesagt und die Tribüne mit unserem kleinen Fanblock jubelte, als Micha keine 10 Meter vor der Ziellinie zusammenbrach. Er blieb liegen und wurde von den Sanitätern erstversorgt, während die anderen Läufer an ihm vorbei ins Ziel liefen. Er bekam eine Infusion, wurde kurz untersucht und durfte anschließend nach Hause mit dem dringenden Verweis schnellstmöglichst seinen Arzt aufzusuchen. Was natürlich die wenigsten taten, denn so lief es immer ab. Es war nichts außergewöhnliches, es passierte eben, nur der Zeitpunkt war doch sehr ungünstig.

Der Lauf wurde nicht gewertet und so rutschte unsere Mannschaft vom ersten auf den vierten Platz. Wir hätten alle schlagen können, doch nun war es vorbei.

Ähnlich verhielt es sich mit meiner Qualifikation für den deutschen Jugendkader. Die Ausscheidung fand an einem Samstag in Oberhof statt. Ich war bestens vorbereitet und wollte mir unbedingt einen Platz in der Mannschaft erkämpfen. Doch ich kämpfte offenbar nicht genug und war schlussendlich die Nummer 6 der Liste, wovon die ersten fünf ausgewählt wurden. Woran das lag? Tja…

Am Dienstag in der Schule (den Montag hatte ich verpennt) berichtete ich von meiner Niederlage und schloss somit die Saison ab um mich nun voll und ganz auf das Abi zu konzentrieren. Was mir auch mehr oder weniger gut gelang.

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Frühjahr 2005

Von meinen über lange Zeit stabil gehaltenen 70-72 kg hatte ich nun noch 65 kg übrig. Die stressigen Wettkämpfe und die starke Belastung durch das Abitur hatten doch Spuren hinterlassen und so lag ich nach der letzten schriftlichen Prüfung drei Tage im Bett und konnte mich kaum rühren. Was mich allerdings nicht davon abhielt am Montag darauf die rund 15 km zur Schule mit dem Fahrrad zurückzulegen.

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Sommer 2005

Meine Entscheidung stand fest, ich würde ab Herbst zur Bundeswehr gehören und nicht wie meine Mutter es sich wünschte, direkt auf die Uni gehen. Ich genoss zwei Wochen Südfrankreich und konnte endlich wieder Surfen. Wir hatten eine Menge Spaß und ich kehrte entspannt zurück. Meine Eltern waren ebenfalls im Urlaub und ich nutzte die Gelegenheit um unbeobachtet zu trainieren. Und das tat ich wie ein Irrer. Zwischen den Einheiten tingelte ich zum Arzt wegen meiner Kniebeschwerden, die verstärkt auftraten. Der äußere Muskel des Oberschenkels war zu stark geworden, er drückte die Kniescheibe nach innen und hatte diese bereits geringfügig verschoben. Das schmerzte. Doch da muss man durch. Da es Tags über extrem heiß war, fing mein Tag früh an und endete spät, wenn ich überhaupt schlafen konnte. Als mein Nachbar mich erblickte, wie ich mitten in der Nacht in Boxershorts das Blumenbeet umgrub, erklärte er mich für verrückt.

Als meine Eltern nach drei Wochen Fuerteventura in ihre Hofeinfahrt fuhren, stellten Sie nicht nur fest, dass sich ihr Garten verändert hatte, sondern auch, dass ich nur noch 60 kg auf die Waage brachte.

Meine Mutter war sauer und verfolgte mich auf Schritt und Tritt. Ich sah es in ihren Augen… sie hatte Angst. Und ich auch. Zum ersten Mal.


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