Folgen
Ich bin mir dessen bewusst, dass ich zu den extrem Fällen zähle. Durch den Schweregrad der Krankheit habe ich dementsprechend nun auch mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. Man führe sich diese deutlich zu lange Liste vor Augen…
Körperlich
Ständige Überlastung des Körpers über Jahre führt zur Schwächung des Immunsystems
Sportunfähigkeit durch Atrophie (Muskelschwund), verursacht durch den Übertrainingszustand, der durch fehlende Ruhe- und Entspannungsphasen entsteht
in diesem Zusammenhang, kam es auch zum Abbau des Herzmuskels, was gefährliche und schwerwiegende Folgen mit sich zieht
schweren Herzrythmusstörungen, auf Grund einer Kombination aus Kaliummangel und Säuremangel
Männer leiden bei massivem Untergewicht häufig unter Impotenz
Verschiedene Hormonstörungen wirken sich auf Körper und Psyche aus
Mangel an lebensnotwendigen Elektrolyten (Kochsalz, Magnesium, Kalium)
Verschiebungen des Säuregehaltes im Blut
Verkrampfung und schnelle Ermüdung der Muskulatur
die langandauernde Elektrolytstörungen schädigten das Nierengewebe, in Verbindung mit einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme kam es zu Nierenstörungen und schließlich zum Versagen
Durchblutungsstörungen mit Kältegefühlen an den Händen und Füßen
trockene fahle Haut, brüchige Nägel, Haarausfall
chronisch wiederkehrende Magenschleimhautenzündung und schließlich der Durchbruch der Magenwand, weitere Komplikationen
Knochenerweichung (Osteomalazie) und Verminderung der Knochendichte (Osteoporose), Knochenbrüche schon nach minimalen Kräfteeinwirkungen
Schäden an Gelenken, Knochen, Sehnen und Bändern
Was viele nicht wissen, bzw. nicht erwarten: mein Führerschein ist auch weg. Kein Mensch ist ist in diesem Gesundheitzustand fähig aktiv im Straßenverkehr teilzunehmen, ohne sich oder andere massiv zu gefährden. Erst nach einem medizinisches Gutachten, wird man mir die Fahrerlaubnis wieder erteilen.
Psychisch
Depressionen
Verlust der Lebensfreude und Interesse an der Umwelt
sehr geringe, bis keine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
das Interesse an der Sexualtität nimmt ab
gestörtes Körperbild, verzerrte Wahrnehmung
Verlust des Hunger- und Sättigungsgefühls
Folgen spühren
Also alles nicht gerade so toll. Hört sich auch alles ganz furchtbar an und es ist kaum vorstellbar, wie sich diese Schäden auf den Körper übertragen anfühlt. Die Beschwerden äußern sich im einzelnen ziemlich heftig.
Ich fühle mich alt und schwach, steige die Treppen langsam hoch, nehme jede Stufe einzeln, halte inne, mache Pausen und komme ich oben an, plagt mich Schwindel und Herzrasen. Ständige Schwächeanfälle lassen mich immer wieder zitternd niedersinken, meistens auf den Fußboden des Badezimmers. Übelkeit ist allgegenwärtig, hinzu kommen vorallem Nachts Muskel- und Magenkrämpfe. Doch am schlimmsten, und das ist mein Ernst, ist diese Empfindsamkeit, die mich umgibt. Eine Sensibilität, wie ich sie noch nie verspührte. Die hochkommenden Emotionen überrollen mich förmlich bei der Bewältigung und Verarbeitungen tiefgründiger Probleme und Ängste.
Es ist schwierig trotz allem den Mut nicht zu verlieren, sich immer wieder hochzuziehen, in den Spiegel zu schauen und sich selbst zu sagen „Komm schon, es geht weiter. Du schaffst das.“ Denn man steckt eben doch nur in der eigenen Haut.
Eine Unterstützung von Ärzten, Bezugsschwestern, Familie und Freunden ist absolut erforderlich.
Bleibende Folgeschäden und Langzeitkomplikationen
In erster Linie wird mir mein Magen-Darm-Trakt noch eine ganze Weile zu schaffen machen, bis sich der Körper an die Umstellung auf eine vollwertige Ernährung gewöhnt und komplett neu eingestellt hat. Bei psychsichen wie physischen Streßbelastungen wird es wohl ein Leben lang zu wiederkehrenden Entzündungen der Magenschleimhäute kommen, Geschwüre sind nicht auszuschließen und machen eine regelmäßige Kontrolle notwendig. Ebenso die Regulierung des Elektrolythaushalts, es bedarf auch weiterhin nahrungsergänzende Zusätze, bis eine vollständige Wiederherstellung gewährleistet ist. Eine Rückkehr in den Hochleistungssport ist entgültig ausgeschloßen, das geschädigte Herz wird keine solchen Beanspruchungen aushalten können, es käme mit größter Wahrscheinlich zum plötzlichen Herztod, würde ich wieder so intensiv trainieren wie zuvor. Das erhöhte Risiko unter auftretenden Herzrhythmusstörungen zu leiden wird sich mit zunehmendem Gewicht und der Medikamentegabe, sowie einer entsprechenden Lebensumstellung senken. Auch mit Knochenbrüchen bei minimalen Stürzen muss auf Grund der Schäden gerechnet werden. Das heißt, schonen muss ich mich in Zukunft generell. „In allem kürzer treten und öfters mal eine Ruhephase einlegen.“, so die Worte der Ärzte.
Trotz allem habe ich gute Chancen ein normales Leben zu führen und das Untergewicht zu überwinden. Einschränkungen in Alltag und Beruf sind nur insoforn zu erwarten, dass körperlich anstrengende Arbeit über einen langen Zeitraum nicht möglich sein wird.
Was allerdings noch Jahre dauern kann, ist das Erlangen eines normalen Essverhaltens, sowie die Ablösung der alten Gedankens- und Verhaltensmusters. Zur Behandlung der Depression werden ebenfalls Antidepressiva sowie eine weiterführende psychotherapeutische Betreuung mit tiefenpsychologischen Sitzungen nötig sein. Die Psyche zu beherrschen ist um einiges schwieriger, denn sie ist das Komplexeste was der Mensch zu bieten hat.

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