Krankheit
Die Kombination aus Mangelernährung und köperlich sehr hoher Belastung war riskant und nun muss ich dafür bezahlen.
In meinem Fall gab es in den vorangegangenen Jahren keine eindeutige Diagnose: Sport- und Magersüchtig. Auf jedes Mädchen, dass ein paar Kilo zu wenig hat, wird mit dem Finger gezeigt mit dem Statement sie leide an einer Essstörung auf Grund der Vorbilder aus den Medien.
Bei den Sportlern verhält es sich da schon anders, denn es ist nicht nur nicht gern gesehen, sondern ein regelrechtes Tabuthema. Der Schuldige ist ja auch nicht so schnell gefunden, wie bei der klassischen Magersucht, die Medien. Im Sport ist dann der Trainer schuld? Wer will schon auf den Trainer zeigen? Der zuständige Arzt? Hat er etwa bei den Kontrollen geschlampt? Die Familien, die eh schon im Ausnahmezustand leben und zwischen Training und Wettkämpfen innerhalb Europa pendeln? Oder gar der Sportler selbst? Aber nein, wenn er Erfolge erzielt und seine Nation stolz präsentiert, kann man ihn schlecht aus dem Rennen werfen oder?
Außerdem gibt es so viele Gründe für ein derartiges Verhalten, sodass die Symptome erst mal auf alles andere geschoben werden: Ein bisschen zu viel trainiert, im Moment zu viel Druck und Stress, eventuell die Dosis an medikamentösen Zusätzen falsch gewählt, es war einfach heiß heute, zu wenig getrunken, kann ja mal passieren… und und… außerdem täuschen Sportler durch ihre grandiose Disziplin und ihrem Höchstmaß an Leistungen eine Stärke vor, die sie in Wirklichkeit nicht besitzen. Es ist geradezu unvorstellbar wie lange ein derart untergewichtiger Körper noch funktionieren kann.
Es gehört schließlich zum guten Ton, sich sportlich und gesundheitsbewusst zu betätigen.
Ein Lehrer sagte eines Tages zu mir „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, davon gehen wir bei Ihnen ja ganz besonders aus !“. Meine Mitschüler nickten anerkennend, hingegen ich blass wurde. Ich war alles, außer gesund.
Ich war süchtig nach Sport
Wie jeder Süchtige, log und betrug auch ich um zu bekommen, was ich bekommen wollte: Meine Droge, Sport. Dafür benötigte ich keinen Dealer, ich lief einfach los um an meine Dosis Glücksgefühle zu gelangen.
Mein riskantes Verhalten war mir zwar bewusst, doch ich schob all mein Wissen weit von mir. Gefährliche Schäden traten trotzdem auf, sodass ich sie nicht ignorieren konnte. Ich wusste was ich tat, doch ich versuchte vieles zu verbergen. Zum Syndrom der Abhängigkeit gehört auch das Verleugnen und Bagatellisieren, darin war ich ein wahrer Meister geworden. Ich kann nicht mal sagen, dass ich mich nur so verhielt, damit andere möglichst keinen Verdacht schöpften, sondern viel mehr, um mich selbst zu beruhigen.
Mir ging so vieles im Kopf herum, was ich da raus haben wollte. Ich wollte mir über so vieles keine Gedanken mehr machen und da gab es nur einen Weg, wie ich das schaffte: Sport. Ich trainierte, weil ich schon immer trainierte. Weil ich mich bewegen musste. Weil ich immer zu diesen Drang in mir verspürte, mich bewegen zu müssen. Das ist der Grund, warum ich haltlos wie ein Irrer durch die Gegend rannte und blind alles ignorierte was um mich herum geschah, bzw. was mit mir geschah. Irgendwann, war alles nur noch … tja, wie soll ich das sagen? Es war einfach zu viel.

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