Diagnose Sportsucht
Anorexia Athletica
Bei einer Sportsucht handelt es sich um eine Verhaltenssucht, bei dem der innere Zwang besteht sich sportlich zu betätigen. Da bei mir gleichzeitig eine Esssötrung vorliegt, spricht man hier von Anorexia Athletica.
Hungern, Erbrechen oder Medikamentenmissbrauch sind nicht wie bei den klassischen Essstörungen Ausdruck eines gestörten Selbstwertgefühls. Sie werden vielmehr als Mittel benutzt, die Leistungen oder Bewertungen im Sport zu verbessern. Dabei kreist das Denken oft zwanghaft um Essen, Gewicht und Leistung. Die eigentlichen Bedürfnisse nach echter Zuwendung, Wertschätzung der Persönlichkeit, nach Gesehen- und Geliebtwerden rücken immer mehr in den Hintergrund und werden oft gar nicht mehr wahrgenommen. Sport und Leistung werden zur einzigen Quelle für Anerkennung und Bestätigung. Diese Ersatzbefriedigung wird oft über Jahre in Anspruch genommen, bis sie in vielen Fällen zur körperlichen und seelischen Erschöpfung, zu Depressionen oder zu massiven gesundheitlichen Schädigungen führt.
Symtome
Dosissteigerung: Die Leistungen müssen permanent erhöht werden, um die schöne Erschöpfung nach dem Training zu erleben.
Entzugserscheinungen: Ist wegen Krankheiten oder Unfällen kein Training möglich, fühlen sich die Betroffenen unausgeglichen und gereizt, sie leiden an innerer Unruhe und Nervosität. Lustlosigkeit, depressive Verstimmungen, Aggressionen und sogar Angstzustände sind möglich. Wird das Training wieder aufgenommen, verschwinden diese Symptome binnen weniger Tage.
Betroffene achten darauf, dass Entzugssymptome nicht erst auftreten, es entsteht ein Zwang zum Sport.
Die Kontrolle über das Ausmaß des Sportkonsums geht verloren. Sport wird zum wesentlichen Lebensinhalt. Planung und Ablauf des Alltags werden dem Sport untergeordnet. Freunde und Familie, aber auch berufliche Interessen werden zunehmend vernachlässigt.
Das Training wird trotz des Wissens um die schädlichen Folgen von Überlastung fortgesetzt. Verletzungen und Schmerzen werden ignoriert.
Zweigleisig: Betroffene versuchen ihr Gewicht gleichzeit durch strenge Diäten und hohes Sportpensum zu reduzieren. Untergewicht ist typisch.
Gestörtes Verhalten: Trainiert wird vor und nach den Mahlzeiten, sodass möglichst viele Kalorien verbraucht werden.
Perfektionismus: Betroffene sind oft sehr ehrgeizig und stellen hohe Ansprüche an ihre eigene Leistungsfähigkeit – oft übersehen sie dabei, dass sie ihrem eigenen Körper schaden.
Angst vor dem Dicksein: Als Magersüchtige greifen Betrofene zu typischen Anorexie-Maßnahmen um nicht zuzunehmen – mit denselben gesundheitlichen Risiken.
Tatsache ist, dass ich schon seit Jahren an dieser speziellen Form der Magersucht unter Sportlern, der Anorexia Athletica, erkrankt bin. Ein Hauptmerkmal ist, dass die Furcht vor dem Dicksein zwar besteht, jedoch ein so starker Gewichtsverlust nicht als attraktiv empfunden wird. Sprich, er wird nicht bewusst herbeigeführt um Schönheitsideale zu entsprechen. Der Appetit und gesunde Verstand war mir längst abhanden gekommen. So entstand das extreme Untergewicht auf Grund des totalen Kontrollverlustes über mein Ess- bzw. allgemeines Verhalten. Es war aus einer langen Vorgeschichte heraus so gekommen und ich besaß schließlich keine Energiereserven mehr, um dieser Übermacht etwas entgegensetzen zu können. Ich ließ mich von ihr einnehmen, dirigieren und verstrickte mich in einem Kreis aus Sport, Hungern und Leiden. Wobei ich nicht genau sagen kann, das eine trüge Schuld am anderen. Mit dem Hungern drückte ich mein Leiden aus, welches ich wiederum mit Sport versuchte zu aufzuwiegen.
Zusammenhang zwischen Sport und Essstörung
Sportler, die ihr Gewicht durch stark veränderte Essgewohnheiten manipulieren, um dadurch ihre Leistungen zu verbessern, laufen Gefahr von essgestörten Verhaltensweisen abhängig zu werden. Studien belegen, dass bis zu 25 % der Spitzensportler unter Essstörungen leiden und damit gesundheitliche Risiken eingehen. Besonders gefährdet sind u. a. Ausdauersportarten.
Erläuterung der Problematik anhand des Skilanglaufs:
In internationalen Wettkämpfen des Skilanglaufs besteht eine Rennstrecke zu ca. 60-70 % aus Steigungen. Hier bringt ein geringes Körpergewicht den Läufern Vorteile: das Gewicht des eigenen Körpers muss die Höhenunterschiede möglichst schnell überwinden, was ein leichterer Körper bei selber Muskelmasse schneller schafft.
Bis zu einem gewissen Grad kann eine Gewichtsreduktion zu einer Leistungsverbesserung führen. Wenn aber das optimale und sehr individuelle Verhältnis zwischen Leistungsfähigkeit und Gewicht unterschritten wird, kann es durch die Gewichtsabnahme zu erheblichen Leistungseinbußen kommen. Tritt dies ein, spricht man von einer Anorexia Athletica. Außerdem kann sich die Gewichtsabnahme verselbständigen. Ist der Sportler nicht mehr in der Lage, sein Essverhalten, bzw. sein Gewicht willentlich zu steuern, spricht man von einer Anorexia Nervosa. Als Grenzwert für beide Formen der Anorexia gilt ein BMI von 18.

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