Erster Klinikaufenthalt
Eingeliefert in der Notaufnahme der Uniklinik verbrachte ich die ersten Stunden umringt von Ärzten und Schwestern in einem Behandlungsraum. Kurz nach dem die Untersuchungsergebnisse eingetroffen waren, erlangte ich für eine kurzen Moment das Bewusstsein. Ich lag einfach nur da und fühlte mich elend. Es fiel mir schwer zu atmen und mein Herz schlug schnell.
„Wollen sie sterben?“
Ich schluckte schwer. Nein, sterben wollte ich nicht. Jetzt noch nicht.
„Nein…“, gab ich fast tonlos von mir und ich fürchtete fast, es klang nicht überzeugend genug. „Nein, will ich nicht.“, setzte ich deshalb hinterher.
„Gut, diesen Willen werden sie brauchen.“
Dies sind die Worte mit denen der zuständige Arzt den Behandlungsraum verlässt und ich zurückbleibe ohne zu wissen, dass sie absolut berechtigt sind. Es wurde gleich darauf hektisch und kaum war ich auf die Intensivstation verlegt worden, war auch schon das schlimmste eingetroffen, was es zu befürchten galt. Die akute Herzinsuffizienz führte zur Verlangsamung der Herzfrequenz, bis diese in Folge dessen ausfiel. Ich überlebte. Dank der Anwesenheit von Ärzten und Pflegepersonal, anderenfalls ist anzunhmen, dass jede Hilfe zu spät gekommen wäre.
Ich brauchte lange um zu verstehen, was eigentlich vorgefallen war. Als mir endlich klar wurde, wie schlecht es mir ging und ich es nun auch zugeben konnte, ja sogar musste, weil es eh schon kurz vor knapp stand, da schrie ich förmlich um Hilfe. Meine Blicke flehten jeden an, er möge mir helfen. Zumindest kam es mir so vor, als würde ich das tun. In Wahrheit wandte ich mich ab, vergrub mein Gesicht im Kopfkissen und wollte niemanden sehen oder hören. Ich heulte drei Tage ununterbrochen. Es war kaum möglich der Verzweiflung in mir ein Ende zu setzen.
Mark machte sich Vorwürfe, dass er es soweit hatte kommen lassen.
„Zehn Kilo. Zehn Kilo weniger als zu dem Zeitpunkt, an dem ich dich zuletzt gewogen hatte.“, er war wütend auf sich selbst, das er es nicht verhindert hatte, „Ich hätte es doch eigentlich besser wissen müssen. Wieso hast du nie etwas gesagt?“
„Ich konnte eben nicht darüber reden.“
„Aber warum denn nicht?“
„Ich weiß nicht, es kam mir irgendwie falsch vor.“
„Hmm… aber dass muss es nicht.“
„Ich weiß.“
Der Aufenthalt in der Uniklinik dauerte fünf Wochen, die gesamte Zeit verbrachte ich so gut wie ausschließlich liegend im Bett oder im Rollstuhl, um etwas anderes vom Krankenhaus zu sehen, als mein tristes Zimmer. Erst gegen Ende wurden mir kurze und langsame Spaziergänge innerhalb des Gebäudes gestattet. Ich durfte mich kaum bewegen, denn ich hatte immer noch Herzbeschwerden und die Gefahr war groß, das erneut gefährliche Komplikationen auftraten. Um stationär in einer speziellen Einrichtung mit psychologischer Betreuung aufgenommen zu werden, musste ich ein Mindestgewicht von 48 kg, sowie einen stabilen Gesundheitszustand aufweisen.
An einem Freitag morgen wurde ich schließlich mit 49,3 Kilogramm entlassen und war ab dem nächsten Montag Patient in der Psychosomatischen Klinik Roseneck am Chiemsee.

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