Panik
Winter 2008 – Januar
Es war kaum zu glauben, dass ich mich überhaupt noch auf den Beinen hielt. Doch ich sollte nicht mehr lange dazu im Stande sein.
Nach dem Streit an Silvester, war ich etwas aus der Bahn geworfen. Das Zusammentreffen mit Stella ließ mir keine Ruhe und ihre Worte hallten noch immer in meinem Kopf. Mir wurde so langsam aber sicher alles zu viel. Mark schuftete nachts über im Krankenhaus und schlug sich mit einer Erkältung herum. Die Tage verstrichen und nichts geschah. Ich entspannte mich.
Samstags sollte Isa’s Studentenparty steigen, zu der wir eingeladen waren. Mir war zwar nicht zum Feiern zu Mute, doch Ben hatte mich schließlich einfach mitgezerrt.
Wir kamen in die überfüllte Wohnung, griffen uns in der Küche ein Bier und betrieben den Standard-Smalltalk mit den Leuten, die man eben so kennt oder auch nicht. Plötzlich stieg Übelkeit in mir auf, mir wurde schwindlig. Ich stellte schnell die Flasche beiseite und hastet die drei Stockwerke nach unten auf die Straße. Frische Luft… einatmen, ausatmen… einatmen, ausatmen… ich war noch damit beschäftigt mich selbst zu therapieren, dass ich nicht bemerkte hatte wie Ben mir gefolgt war. Er setzte sich neben mich auf die Stufen der nächsten Haustüre und erkundigte sich, ob alles okay sei. Doch mir war inzwischen schon so schlecht, dass ich gar nicht mehr antworten konnte. Ich saß da, das Gesicht in den Händen vergraben und zitterte am ganzen Körper.
Ben erschrak und redete auf mich ein: „Jannis? Jannis! Alles okay? Was ist denn los? Sag doch was… Hey, kannst du mich hören?“
Ich sackte neben ihm zusammen und begann zu zucken. Krampfend lag ich auf dem Gehsteig und Ben überkam Panik. Er schrie nach Mark, in der Hoffnung er möge ihn trotz lauter Musik und Lärm hören. Mark hörte natürlich nichts, er war gerade erst gekommen. Louisa stand allerdings noch draußen und quatschte mit Sophie. Sie rannte sofort nach oben, nicht nur um Mark vom Flirten abzuhalten. Er spurtete zu Ben und kniete nieder, fühlte meinen Puls und die Atmung. Er erkannte sofort den Ernst der Lage und setzte mit seinem Handy den Notruf ab. Er bestand auf einen Rettungswagen mit Notarzt. Sie hielten mich fest, denn ich schien innerlich noch immer zu beben. Mark versuchte mich zu beruhigen. Nachdem der Anfall vorüber war, verlor ich luftschnappend das Bewusstsein. 42,4 kg.

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