Entkräftet
Winter 2007 – Weihnachten
Weihnachten zu Hause ging wie jedes Jahr von statten. Ein Streit, die Versöhnung, der Besuch beim Gottesdienst, Heilig Abend im kleinen Kreise. Darüber hinaus war es ein einziges Schlemmen. Ganz ehrlich, ich genoss es. Ich dachte über nichts, rein gar nichts nach. Ich freute mich alle Bekannten und Verwandten zu sehen, plauderte nett und fühlte mich wohl in Gesellschaft. Dazwischen zögerte ich circa 1.000 mal, ob ich bei Stella vorbeischauen sollte, oder wenigstens anrufen. Ich entschied mich für einen persönlichen Besuch. Es war Weihnachten, das Fest der Liebe. Ich brauchte sie jetzt. Trotz allem Mut den ich zusammennahm, schaffte ich es nicht aus dem Auto auszusteigen. Ich hatte den Wagen abgestellt und saß in der Kälte. Nach über einer halben Stunde machte ich kehrt und fuhr über einen Umweg zurück zum Haus meiner Eltern.
Ich hatte das Gefühl meine Mutter roch an mir und suchte meine Haut nach Schweißperlen ab, sobald ich an der Garderobe stand. Sie betrachtete mich argwöhnisch, ihre Blicke sprachen Bände. An ein Abseilen um Sport zu machen war nicht zu denken.
Um so glücklicher war ich, als Christopher, mein ehemaliger Kamerad von der Bundeswehr, mich anrief und mich fragte, ob ich nicht Lust auf einen Snowboardlehrgang hätte. Es wären noch Plätze frei und wir müssten sowieso unsere Lizenzen aufpolieren. Ich sagte spontan zu und meldete mich an. Schon am nächsten Tag sollte es los gehen.
Ich konnte also von zu Hause entfliehen, dem Rumhocken, dem vielen Essen und den Augen meiner Mama, die mich zu verfolgen schienen. Das Modul nannte sich „Skischullehrer“ und war für fünf Tage angesetzt. Ich freute mich darauf die Natur zu genießen. Und Sport zu treiben. Um fünf Uhr früh des zweiten Weihnachtsfeiertages brachen wir ins Tiroler Kaunertal auf.
So sehr ich mich gefreut hatte und ich auch Spaß an der Sache hatte. Die Anstrengungen schafften mich ziemlich. Am vierten Tag fühlte ich mich schwindlig und übel. Ich hatte vorgesorgt und mir einige Tabletten mitgenommen. Morgen abend würde ich schon wieder nach Hause fahren. Frühzeitig aufzugeben kam nicht in Frage.
In der Nacht des 30. Dezember traf ich gegen halb zwölf in meiner Wohngemeinschaft ein und war restlos erschöpft von den letzten Tagen. 46,4 kg.

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