Alles lächerlich?

Herbst 2007 – November Teil 2

In mir hatte sich etwas verändert. Das Gefühl, dass etwas doch nicht so ganz stimmte, beschlich nun auch mich. Allerdings ganz ganz langsam und nicht in dem Ausmaß, dass ich verstanden hätte, dass sich etwas ändern musste. Also blieb vorerst alles beim alten. Bis auf die Tatsache, dass ich vorsichtiger wurde, Fragen auswich und mich verstärkt abkapselte. Ich wollte immer mehr alleine sein, um mir selbst zu predigen, dass mein Verhalten nichts, rein gar nichts mit einer Essstörung zu tun hatte. Außerdem führte ich den Gewichtsverlust sicherlich nicht bewusst und schon gar nicht gewollt herbei. Nein, ich doch nicht. Nie im Leben. Es geschah alles ohne mein Zutun von selbst. Und daran hielt ich fest. So sehr, dass es unmöglich war, mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Der Donnerstag kam und ging. Ich ließ die angekündigten Untersuchungen über mich ergehen, ohne das Mark oder Dr. Clausen etwas bemerkenswertes fanden. Das subkutane Fettgewebe war noch nicht gefährdet. Ich hatte 900 g zugelegt und alles war in bester Ordnung. Als ich am Nachmittag von meiner Übungsgruppe nach Hause kam, saß Mark an unserem Küchentisch und rieb seine müden Augen. Er gab noch nicht auf.

„Was, wenn du ernsthafte Probleme hast, ich traue dir nicht. Das sind zu viele Faktoren, als das es ein Zufall wäre.“

„Komm schon Mark, das ist lächerlich. Du kennst mich, das wird sich wieder regulieren, wenn erst mal der Prüfungsstress vorbei ist.“

Er war wohl zu abgeschlagen um die Sache auszudiskutieren.

„Na schön. Du nimmst weiterhin die Aufbaunahrung zu dir und ich behalte dich im Auge, verlass dich drauf.“

Natürlich tat ich das nicht. Ich weiß nicht wieso, keine Ahnung. Vermutlich war ich zu trotzig um mir von ihm etwas vorschreiben zu lassen.

Eine Woche später bei der Kontrolle meines Handgelenks stellte der Doc fest, dass der Gips recht locker saß, was wohl am dünner gewordenen Arm lag. Er wollte mich wiegen, ich weigerte mich, bis ich schlussendlich doch nachgab. Während der Arzt mir den Gips abnahm und die Hand neu schiente, stellte er gezielt Fragen. Er hegte den Eindruck, es ginge mir nicht gut. Ich stritt alles ab, beteuerte keine Schmerzen mehr in der Hand zu haben und verließ fluchtartig die Praxis. 54,1 kg.


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